Pro-Russische Hacker haben laut einer eigenen Erklärung einen größeren Cyberangriff auf Norwegens öffentliche digitale Dienste verursacht. Betroffen waren mehrere Angebote der staatlichen Digitalisierungsbehörde Digdir, der Angriff lief über mehrere Tage hinweg.
Nach Angaben eines Sprechers von Digdir begann die Störung bereits am Montag und zog sich dann bis zum Mittwoch. Die Ausprägung des Angriffs: massiver Datenverkehr, der gezielt darauf ausgerichtet war, zentrale Dienste zu blockieren.
Was ist bei Digdir passiert?
Der Angriff traf laut Digdir mehrere digitale Services der norwegischen Regierung. Besonders relevant ist dabei, dass es sich um Denial-of-Service-Angriffe handelte: Dabei erzeugen Angreifer so viel Anfragen wie möglich, um Systeme an ihre Grenzen zu bringen oder die Nutzung unmöglich zu machen.
Ein Sprecher beschrieb den Vorfall als den größten Angriff dieser Art gegen Digdir-Lösungen, den die Behörde bisher erlebt habe. Gleichzeitig betonte er, dass die betroffenen Dienste praktisch die ganze Zeit erreichbar geblieben seien.
Warum ist das „One-Login“ wichtig?
Zu den angegriffenen Funktionen gehörte auch ein System, das Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, sich mit einem Login bei mehreren öffentlichen Diensten anzumelden. Gerade solche zentralen Zugänge sind für die Nutzererfahrung entscheidend, weil sie den Zugriff bündeln und vereinfachen.
Das Ziel der Angreifer war es dabei nicht zwingend, Daten dauerhaft zu verändern, sondern vor allem den Betrieb zu stören: Durch das Aufschwemmen der Systeme mit Verkehr sollten die Services zeitweise nicht nutzbar sein.
Die Angreifer melden sich selbst zu Wort
Am Mittwoch meldete sich eine pro-russische Hackergruppe öffentlich. In einem Telegram-Posting, das in norwegischen Medien breit aufgegriffen wurde, soll die Gruppe die Verantwortung für die Angriffe übernommen haben.
Die Gruppe wird im Umfeld der Erklärung als „Server Killers“ benannt. In der Veröffentlichung heißt es zudem, die Verantwortlichen hätten nach norwegischen Schritten im Bereich der Sicherheitszusammenarbeit mit Ukraine eine Art „Cyberkrieg“ erklärt.
Norwegische Behörden äußerten sich zur Zeit der Berichterstattung nicht öffentlich zu der Anspruchserhebung der Hacker.
„Cyberkrieg“ und politische Lage: Ein mögliches Motiv
Der Kontext spielt in der Sicherheitsberichterstattung regelmäßig eine große Rolle. Seit dem Beginn des groß angelegten russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 gilt in Europa für viele Staaten eine erhöhte Wachsamkeit.
Offizielle Stellen gehen davon aus, dass Angriffe darauf abzielen könnten, Unterstützung für die Ukraine zu untergraben, Angst und Misstrauen in Gesellschaften zu verstärken und zugleich Ressourcen in Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden zu binden.
Im konkreten Fall wird der Zusammenhang über die Sicherheitskooperation hergestellt: Norwegen hatte die Zusammenarbeit erneuert und die Hacker erklärten daraufhin, eine Eskalation im digitalen Raum zu starten.
Norwegens Unterstützung für die Ukraine
Parallel zu der angespannten Sicherheitslage kündigte der norwegische Premierminister Jonas Gahr Støre während eines Besuchs in Kiew an, dass Norwegen ab dem kommenden Jahr 85 Milliarden norwegische Kronen für die Ukraine bereitstellen werde. Das entspreche umgerechnet etwa 9,2 Milliarden US-Dollar.
Die Finanzierung sei dabei bereits das dritte Jahr in Folge Bestandteil des staatlichen Budgets. Zudem wurden weitere Formen der Zusammenarbeit genannt, darunter Themen rund um Drohnentechnologie und andere Bereiche moderner Kriegsführung.
Solche politischen Entscheidungen können in der Sicherheitslogik als Rahmen dienen, in dem sich auch digitale Angriffe verorten lassen—auch wenn eine direkte Beweiskette zur konkreten Tätergruppe öffentlich nicht bestätigt wurde.
Norwegen im Muster steigender Cyberbedrohungen
Die Ereignisse in Norwegen fügen sich in eine breitere Entwicklung ein, die über mehrere Länder hinweg beobachtet wird. In der Vergangenheit wurde Russland in verschiedenen Fällen als wahrscheinliche Quelle von Cyber-Sabotage genannt.
Für Norwegen erwähnten die Behörden etwa für das Jahr 2025 einen möglichen Sabotagevorfall an einem Damm. Dort sollen Angreifer Zugriff auf ein digitales System erhalten haben, das einen Ventilmechanismus aus der Ferne steuert. Anschließend soll Wasserfluss erhöht worden sein.
Im Zusammenhang mit dieser Aktion wurde laut Polizei ein kurzes Video veröffentlicht, das das Bedienfeld sowie eine Kennzeichnung einer pro-russischen Cyberkriminellen-Gruppe zeigte.
Auch Dänemark berichtete über ähnliche Vorfälle
Neben Norwegen stehen in der europäischen Sicherheitskommunikation immer wieder auch Nachbarländer im Fokus. Im Jahr 2024 und den Folgejahren machten dänische Behörden Angaben zu mutmaßlichen cyberbezogenen Störungen und Angriffen gegen Infrastruktur und Websites.
Dänische Stellen führten dabei unter anderem eine Gruppe namens Z-Pentest an. Im Zusammenhang mit einem Wasserwirtschaftsunternehmen sei von einem „destruktiven Angriff“ die Rede gewesen. Für den Zeitraum vor den lokalen Wahlen 2025 wurde außerdem eine weitere Gruppe, NoName057(16), mit einem Angriff auf dänische Websites in Verbindung gebracht.
Die dänischen Behörden äußerten zudem, dass Verbindungen zu staatlichen Strukturen bestehen könnten.
Wie lässt sich ein DDoS-Angriff überstehen?
Auch wenn die Angreifer bei DDoS-Angriffen häufig auf Blockade setzen, entscheidet die technische Widerstandsfähigkeit über den tatsächlichen Schaden. Im aktuellen Fall berichtete Digdir, die Services hätten praktisch durchgehend funktioniert.
Das kann auf verschiedene Schutzmechanismen hindeuten—etwa auf vorhandene Kapazitäten zur Lastverteilung, Filterung unerwünschten Verkehrs oder betriebliche Notfallprozesse, die eine schnelle Stabilisierung ermöglichen.
Für Bürgerinnen und Bürger bleibt dennoch ein Risiko: Selbst wenn Systeme weiter online sind, können kurzfristige Einschränkungen, Verzögerungen oder Funktionsprobleme auftreten, besonders bei zentralen Authentifizierungspunkten wie dem „One-Login“-Zugang.
Fazit: Verfügbarkeit bleibt kritisch, Meldungen folgen
Pro-Russische Hacker haben nach eigenen Angaben einen massiven DDoS-Angriff auf norwegische öffentliche digitale Dienste ausgelöst. Die Angriffe liefen über mehrere Tage, doch Digdir konnte zentrale Angebote eigenen Aussagen zufolge weitgehend am Laufen halten.
Während politische Entwicklungen im Hintergrund eine Rolle spielen, bleibt die technische und organisatorische Abwehr entscheidend. Für die weitere Bewertung ist wichtig, ob und wie offizielle Stellen die Behauptungen der Angreifer einordnen und welche Lehren sich aus dem Vorfall für zukünftige Resilienzmaßnahmen ziehen lassen.
