Im Zuge einer seit Ende Juli laufenden Hacker-Kampagne sind auch weitere US-Bundesstaaten in den Fokus geraten. Wasser-Kyberangriffe betreffen dabei nicht nur IT-Systeme, sondern vor allem die Steuer- und Automatisierungstechnik, die in Wasserwerken und ähnlichen Einrichtungen für den Betrieb entscheidend ist.
Nach Berichten bestätigten inzwischen mehrere Bundesstaaten, dass ihre Wasser- oder Abwassereinrichtungen ins Visier genommen wurden. Insgesamt wird die Zahl der betroffenen Staaten auf mindestens zwölf geschätzt, wobei nicht alle Fälle öffentlich zugeordnet sind.
Was bisher über die Angriffe bekannt ist
Die ersten Bestätigungen kamen aus Minnesota. Dort wurde öffentlich, dass mehr als 30 Wassersysteme mit ihrer operativen Technologie (OT) angegriffen worden seien. OT-Systeme steuern Prozesse und Anlagen im laufenden Betrieb – etwa Dosierung, Pumpen und andere Regelvorgänge.
Später meldeten auch Michigan, South Dakota und Georgia, dass sie Ziel der Kampagne waren. Auch wenn sich die Details unterscheiden, folgt der übergeordnete Trend: Angriffe richten sich gegen Kontroll- und Automatisierungskomponenten, nicht ausschließlich gegen Büro-IT.
New Jersey: Störungen betrafen vor allem die Telefontechnik
Zu den neuesten bestätigten Fällen zählen New Jersey. Laut Berichten wurden die Wassersysteme von Cape May und Woodbine am 27. Juli angegriffen.
Die Behörden gaben jedoch an, dass die Störungen sich auf Telefonanlagen beschränkt hätten. Damit war zwar eine Beeinträchtigung einzelner Kommunikationswege möglich, jedoch keine Meldung über eine spürbare Unterbrechung des Wasserbetriebs.
Alabama: Angriffe auf ICS, ohne Auswirkung auf den Betrieb
Auch Alabama bestätigte einen Angriff. Betroffen war demnach das Childersburg Water, Sewer and Gas-System. Der Vorfall wurde ebenfalls auf den 27. Juli datiert.
In Alabama richteten sich die Angriffe auf Industrial Control Systems (ICS). Dennoch teilten Verantwortliche mit, dass der Angriff keine Unterbrechung der Wasserversorgung verursacht habe.
Wichtig ist dabei: Selbst wenn OT oder ICS im Mittelpunkt stehen, muss das nicht automatisch bedeuten, dass der gesamte Betrieb ausfällt. Die bisherigen Rückmeldungen der gemeldeten Fälle deuten vielmehr darauf hin, dass Störungen – wenn überhaupt – begrenzt blieben.
Keine großflächigen Folgen – dennoch Alarmstufe für Betreiber
Mehrere gemeldete Wasserutilities und Bundesstaaten berichten, dass es keine erheblichen Auswirkungen auf die Versorgung gegeben habe. In einzelnen Fällen wurden Systeme abgeschaltet, um Risiken zu reduzieren. Allerdings blieben die Störungen insgesamt begrenzt.
Gleichzeitig wurden Bürgerinnen und Bürger darüber informiert, dass Trinkwasser sicher sei. Diese Kommunikation ist ein zentraler Bestandteil, um Vertrauen in kritische Infrastrukturen zu erhalten.
Warnungen ohne Bestätigung: Wisconsin, Pennsylvania und Washington
Nicht alle Bundesstaaten haben bereits bestätigt, dass sie selbst angegriffen wurden. So haben Wisconsin, Pennsylvania und Washington Warnungen an Wasserbetreiber ausgesprochen, ohne eine bestätigte Attacke öffentlich zu machen.
Solche Schritte zeigen, dass Behörden bereits mit einem möglichen Handlungsbedarf rechnen – etwa bei der Überprüfung von OT-Umgebungen, Patch- und Segmentierungsstrategien sowie bei der Erkennung ungewöhnlicher Aktivitäten.
Neue York setzt stärker auf Unterstützung – statt auf konkrete Aussagen
Während New York bisher keine eindeutigen Aussagen dazu getroffen hat, ob eigene Wasserutilities betroffen sind, wurden Fördermaßnahmen kommuniziert. Es wurde angekündigt, dass mehr als 9 Millionen US-Dollar in Form von Zuschüssen bereitgestellt werden, um die Branche bei der Verbesserung der Cybersicherheit zu unterstützen.
Damit steht neben der operativen Reaktion auch die langfristige Stärkung im Vordergrund: Gerade im Wasserbereich sind Investitionen in Sicherheit, Schulung und geeignete Schutzmaßnahmen entscheidend.
Rolle von FBI und Behörden: Bestätigung, aber wenige neue Details
Das FBI hat öffentlich bestätigt, dass es bis zum 30. Juli mindestens sieben Bundesstaaten gab, die ins Visier genommen wurden. Gleichzeitig wurden bislang weder vom FBI noch von anderen staatlichen Stellen detaillierte Aktualisierungen zu weiteren konkreten Fällen veröffentlicht.
Für Betreiber ist das ein Hinweis auf die Notwendigkeit, auch ohne umfassende behördliche Detailkommunikation vorbereitet zu sein: OT-Umgebungen können schwer zu überprüfen sein, und Angriffe können Spuren hinterlassen, die nicht sofort auffallen.
Zuordnung und Technik: Verknüpfung mit iranischen Akteuren
Die Angriffe werden in Verbindung mit iranischen Hackern gebracht. Ziel waren dabei ICS-Geräte, darunter Komponenten des Herstellers Rockwell Automation. Es ist zudem möglich, dass weitere große Anbieter ebenfalls betroffen waren.
Für die Branche ist diese Information vor allem deshalb relevant, weil sie Hinweise auf potenziell ähnliche Angriffsmuster liefert. Wenn bestimmte Produktlinien oder Gerätekategorien im Visier stehen, können Unternehmen gezielter prüfen, ob betroffene Systeme im eigenen Netz vorhanden sind und wie sie abgesichert sind.
CISA fordert Schutz der OT-Schicht
Auch die CISA (Cybersecurity and Infrastructure Security Agency) hat den Wasser-Sektor aufgefordert, die OT-Sicherheit im Lichte dieser Kampagne zu stärken. Im Kern geht es darum, Steuerungs- und Automatisierungstechnik nicht als „abgeschlossenes“ System zu betrachten, sondern als Teil einer umfassenden Sicherheitsstrategie.
Praktisch bedeutet das für Betreiber meist: bessere Segmentierung, zuverlässige Zugriffssteuerung, Überwachung von OT-Protokollen und eine klare Abstimmung zwischen IT- und OT-Teams.
Was Betreiber jetzt konkret prüfen sollten
Auch wenn bisher in den gemeldeten Fällen keine gravierenden Folgen berichtet wurden, sollten Wasserutilities die Ereignisse als Signal für eine gründliche Lagebewertung verstehen. Eine schnelle, realistische Bestandsaufnahme kann helfen, Lücken früh zu schließen.
- Inventarisierung der OT-Komponenten: Welche ICS/OT-Geräte sind im Einsatz und wie werden sie erreicht?
- Netzwerksegmentierung überprüfen: Sind Steuerungsnetzwerke klar vom restlichen IT-Bereich getrennt?
- Zugänge und Fernwartung absichern: Wer hat Zugriff, und wie werden Verbindungen protokolliert?
- Monitoring für OT-Aktivitäten aktivieren: Ungewöhnliche Muster früh erkennen, bevor sie zu Betriebsstörungen führen.
- Kommunikationswege testen: Wie schnell können Betreiber im Ernstfall reagieren, etwa bei Ausfällen von Telefon- oder Informationswegen?
Gerade die Meldungen aus New Jersey, bei denen vor allem Kommunikationssysteme betroffen waren, zeigen: Cybervorfälle können auch dann relevant sein, wenn die Produktion kurzfristig weiterläuft. Resilienz und klare Einsatzabläufe bleiben daher entscheidend.
Fazit: Wasser-Kyberangriffe sind ein reales Risiko – mit Fokus auf OT
Die Bestätigungen aus New Jersey und Alabama zeigen, dass Wasser-Kyberangriffe weiterhin Fortschritte machen und unterschiedliche Schichten des Betriebs treffen können. Während New Jersey vor allem Telefonstörungen meldete und Alabama keine Unterbrechung der Wasserversorgung angab, folgt das Gesamtbild dem Muster: Angriffe zielen auf OT- und ICS-nahe Bereiche ab.
Für die Wasserbranche heißt das: Wachsamkeit, technische Absicherung und eine OT-zentrierte Sicherheitsstrategie sind nicht nur „Plan B“, sondern Teil des operativen Alltags. Behörden und Programme unterstützen dabei zwar, doch die entscheidenden Maßnahmen müssen in den jeweiligen Einrichtungen umgesetzt werden.
Quelle: https://www.securityweek.com/new-jersey-alabama-join-states-targeted-in-water-cyberattacks/
