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Beveiligingsnieuws

Poison Claude: Betrügerische KI-Zugänge im Darknet

Poison Claude

Der KI-Zugriff soll angeblich günstiger werden: Poison Claude gehört zu mehreren illegal beworbenen Diensten, die auf Darknet-Foren und Messaging-Plattformen auftauchen. Hinter dem Versprechen stehen jedoch erhebliche Risiken – nicht nur für die Datensicherheit der Nutzer, sondern auch für die Integrität dessen, was am Ende wirklich bereitgestellt wird.

In einer Analyse von Sicherheitsforschern wird beschrieben, wie solche Angebote den Zugang zu großen Sprachmodellen über eine Art Proxy- bzw. Gateway-Struktur umleiten. Dabei kann der Dienstbetreiber die eingegebenen Prompts sehen und weiterreichen, wodurch Privatsphäre und Vertraulichkeit auf dem Spiel stehen.

Was ist Poison Claude?

Poison Claude wird als Service beworben, der Zugriff auf Anthropic-Modelle liefern soll. Genannt werden unter anderem Opus 4.8, Opus 4.7, Opus 4.6 sowie Sonnet 4.6. Das Angebot richtet sich an Personen, die KI-Modelle nutzen möchten, aber offenbar weniger zahlen wollen als über offizielle Kanäle.

Die Werbung verspricht „billigere Tokens“. Laut der Analyse wird dies damit erklärt, dass kostenlose Bonusguthaben aus bestimmten Cloud-Angeboten genutzt würden. Konkret wird auf Bonus-Credits verwiesen, etwa auf einen 100-US-Dollar-Bonus für AWS Bedrock-Konten, die im Hintergrund in eine Art Pool eingespeist würden.

Wie der vermeintlich günstige KI-Zugang technisch funktioniert

Der Dienst soll nach Zahlungsvorgang einen API-Schlüssel bereitstellen, der mit einem Anthropic-kompatiblen API-Interface arbeiten soll. Anschließend sollen Nutzer ihre Entwicklungsumgebung so konfigurieren, dass die Anfragen nicht an den offiziellen Anbieter gehen, sondern an den Poison Claude-Dienst.

In der beschriebenen Kette werden Eingabe-Prompts über die Poison- Claude-API an Anthropic übergeben. Die Antworten werden wiederum an den Kunden zurückgereicht, sodass sich der Nutzer äußerlich so verhält, als würde er direkt mit dem Modell arbeiten – tatsächlich aber läuft der Datenweg über den Vermittler.

Warum das ein großes Datenschutzproblem ist

Der zentrale Punkt: Wenn ein Service als Gateway oder Proxy agiert, hat der Betreiber in der Regel vollständige Sicht auf die Prompts. Die Sicherheitsforscher betonen, dass genau das eine Datenschutzbedenken auslöst: Der Dienst kann Daten versehentlich offenlegen – oder sie möglicherweise missbrauchen oder verkaufen.

Für Anwender bedeutet das: Selbst wenn das Ziel „nur“ die Nutzung eines LLMs ist, können vertrauliche Inhalte, Arbeitsanweisungen oder auch sensible Daten über einen nicht vertrauenswürdigen Drittanbieter laufen. Wer geschäftliche oder private Informationen in Prompts einbindet, trägt dadurch ein zusätzliches Risiko.

Beobachtete Schwachstelle: Zugriffszähler im API-Endpunkt

Zusätzlich zu den strukturellen Risiken wurde in der Analyse eine Konfigurationspanne erwähnt, die einen Status-Endpunkt sichtbar machte. Über die angesprochene Adresse konnte abgefragt werden, wie viele Nutzer insgesamt sowie aktiv sind.

Der konkrete Endpunkt wurde laut Bericht inzwischen wieder behoben. Für die Nutzer bleibt jedoch die grundsätzliche Botschaft: Solche Angebote sind häufig nicht sauber betrieben, und selbst wenn ein Problem geschlossen wird, können andere Sicherheitslücken oder Fehlkonfigurationen bestehen bleiben.

Domain-Versteckung und Bot-Schutz

Der Hauptauftritt von Poison Claude soll über ein CDN gehostet werden, um die Herkunftsadresse zu verschleiern. Nach einer verantwortungsvollen Meldung wurde dem Link laut Bericht zwar eine Phishing-Warnung vorangestellt, allerdings schien sich der Betreiber der Domain offenbar weiterhin zu halten.

Für den API-Bereich wird zudem Bot-Schutz genannt. Das ist relevant, weil solche Dienste typischerweise versuchen, automatisierte Zugriffe abzufedern. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Bot-Netze gerade bei Online-Märkten für KI-Zugänge immer ausgefeilter werden.

„Grauzone“ statt vertrauenswürdiger Partnerschaft

Der Bericht ordnet Poison Claude in eine breitere Kategorie illegaler bzw. in der Grauzone agierender Angebote ein. Als weiteres Beispiel wird Ecomagent.in genannt, das angeblich ebenfalls vergünstigten Zugang zu Anthropic- und sogar OpenAI-bezogenen Leistungen über einen eigenen API-Endpunkt verspricht.

Solche Dienste locken häufig mit Kostenersparnis, teils auch mit Zugangsgrenzen, eingeschränkter Verfügbarkeit oder dem Wunsch nach mehr Privatsphäre. Doch genau hier liegt die Gefahr: Ein Betreiber kann jederzeit die Konditionen ändern, die tatsächlich ausgelieferte Modellqualität verringern oder Nutzer mit einem „frontier“ klingenden Angebot abspeisen.

Ein Markt getrieben von regionalen Einschränkungen

Die Sicherheitslage entsteht zudem in einem Umfeld wachsender Nachfrage nach US-basierten LLMs, die in China entweder explizit verboten sind oder durch Barrieren wie die „Great Firewall“ schwer erreichbar werden. Die im Bericht beschriebenen Proxy- oder Relay-Ansätze sollen lokalen Entwicklern einen Weg eröffnen, die Modelle dennoch zu nutzen.

Diese Entwicklung kollidiert mit früheren Vorwürfen aus dem KI-Ökosystem: Anthropic machte dem Bericht zufolge mehrere chinesische Firmen für groß angelegte Versuche verantwortlich, Claude-Fähigkeiten illegal zu extrahieren, um die eigenen Modelle zu verbessern. Gleichzeitig wird berichtet, dass KI-Modelle aus den USA in militärischen Kontexten zur Unterstützung der Entwicklung heimischer Systeme genutzt werden könnten.

Mehr als KI-Preis: Abzweigungen für Betrug und Identitätsmissbrauch

Die Analyse verknüpft das Thema außerdem mit einem weiteren Missbrauchsbereich: Bad Actors sollen freie Testzeiträume nutzen, um auf skalierbare Weise synthetische Identitäten zu erzeugen. Dafür werden offenbar Wegwerf-Domains und kurzfristige E-Mail-Adressen eingesetzt.

Damit verschiebt sich die Perspektive: Es geht nicht nur um „billigere API-Tokens“, sondern auch darum, wie KI-Services und deren Zugänge in Angriffsketten eingebettet werden. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass solche Netzwerke automatisiert und langfristig betrieben werden.

Warum botbasierter Traffic die Lage verschärft

Okta beschreibt zudem, dass Bot-Aktivität im Internet insgesamt zunimmt – unter anderem durch den Ausbau von KI-Agenten. Wer Botnetzwerke betreibt, hat inzwischen mehr Optionen, um Erkennungsmechanismen zu umgehen.

Genannt werden insbesondere Residential Proxies: Dabei kommt der Traffic aus IPs, die wie „normale“ Endkundenverbindungen wirken. Diese Adressen haben oft keine oder kaum Hinweise auf bösartigen Ursprung, wodurch das Blockieren deutlich riskanter wird. Für Betreiber legitimer Dienste wird es damit schwerer, schädlichen Zugriff sauber zu unterbinden.

Fazit: Hohe Risiken bei „günstigem“ KI-Zugang

Poison Claude steht stellvertretend für Angebote, die vergünstigten oder erleichterten KI-Zugriff versprechen. Der entscheidende Nachteil liegt in der Architektur: Wenn ein Proxy die Anfragen weiterleitet, kann der Betreiber die Prompts mitsehen. Hinzu kommen technische Unsicherheiten wie Fehlkonfigurationen sowie das grundsätzliche Risiko von Betrug oder schlechterer Leistung als beworben.

Wer KI-Modelle produktiv nutzt, sollte daher besonders vorsichtig sein: Vertrauliche Inhalte gehören nicht in die Hände unbekannter Drittanbieter, und der „Preisvorteil“ kann schnell zum Sicherheitsrisiko werden. Eine transparente, offizielle Nutzung bleibt der sicherere Weg.

Quelle: https://thehackernews.com/2026/08/poison-claude-sells-discounted-claude.html