Cyber-Physical Training ist mehr als das Lesen von Bedrohungsberichten. Wer industrielle Systeme schützen will, muss verstehen, wie Angreifer vorgehen, welche Möglichkeiten sie im Zusammenspiel aus Technik und Prozesslogik finden und wie aus einzelnen Schwächen echte operative Folgen entstehen können. Genau darauf setzt der Cyber Attack Methods (CAM)-Kurs, der in diesem Oktober erneut im Rahmen der 25. Industrial Control Systems (ICS) Cybersecurity Conference angeboten wird.
Das mehrtägige, praxisorientierte Format findet vom 6. bis 8. Oktober am W Nashville statt und kombiniert intensive Schulungszeiten mit Zugang zur begleitenden Konferenz. Ziel ist es, verantwortliche Fachleute in die Lage zu versetzen, Angriffe aus Sicht eines Angreifers zu durchdenken – und daraus bessere Entscheidungen für Architektur, Entwicklung und Schutzmaßnahmen abzuleiten.
Warum Cyber-Physical Training für ICS so entscheidend ist
Cyber-physische Systeme verbinden digitale Bausteine mit realen Anlagen, Geräten und Abläufen in der physischen Welt. Eine erfolgreiche Attacke kann daher weit über Datenverlust oder kurzfristige Ausfälle hinausgehen. Je nach Ziel und Kontext können auch Sicherheit, Mission Readiness, Produktivität, Umsatz und die Verfügbarkeit wesentlicher Dienste betroffen sein.
Der CAM-Ansatz knüpft an einem Kernproblem an: Aus Verteidigerperspektive wirkt vieles abstrakt, solange man nur Listen von Techniken betrachtet. In der Praxis müssen Teams jedoch erkennen, wie Angreifer Systeme prüfen, wo sie Einstiegspunkte finden und wie sich einzelne Schwachstellen zu einem Gesamtangriff verbinden. Cyber-Physical Training macht diese Kette konkret – indem Teilnehmende den Prozess selbst durchlaufen.
Im Kurs: Schritt für Schritt wie ein Angreifer denken
CAM ist als Hands-on Kurs konzipiert, der Teilnehmende bewusst in die Rolle eines Gegners versetzt. Statt Angriffsverhalten nur theoretisch zu erklären, arbeiten die Teilnehmenden in einer absichtlich verwundbaren virtuellen cyber-physische Umgebung. So wird der Weg vom ersten Verstehen bis zur Durchführung einer zielgerichteten Aktion greifbar.
Im Verlauf der Übungen entwickeln die Teilnehmenden ein mentales Modell dafür, wie Angreifer vorgehen, zum Beispiel durch:
- System-Discovery: Welche Komponenten und Oberflächen fallen überhaupt auf?
- Schwachstellen ausnutzen: Wie werden Lücken praktisch übernommen, statt nur beschrieben?
- Mission-orientierte Ausführung: Wie lassen sich einzelne Schritte zu relevanten operativen Ergebnissen verbinden?
Wichtig ist dabei: Der Kurs verfolgt nicht das Ziel, Teilnehmende zu „Hackern“ zu machen. Vielmehr geht es darum, die Denkweise und Arbeitsweise von Angreifern so zu verstehen, dass Schutzkonzepte, Tests und Designentscheidungen realistischer und wirksamer werden.
Zugang zu Mitmach-Umgebung statt reiner Theorie
Cyber-Physical Training funktioniert nur dann wirklich, wenn man damit arbeitet – nicht nur darüber spricht. Im CAM-Kurs erfolgt das Lernen über praktische Schritte mit Tastatur und entsprechender Umgebung. Dabei sollen Teilnehmende nicht nur „was“ schiefgehen kann kennenlernen, sondern auch „wie“ Angreifer zu Ergebnissen kommen.
Zusätzlich werden mögliche Mitigations (Gegenmaßnahmen) diskutiert. Teilnehmende betrachten, wie Entscheidungen in Architektur, Entwicklung und Sicherheit die Angriffsfläche reduzieren können und Systeme robuster gegen reale Angriffspfade werden.
Für wen der CAM-Kurs besonders geeignet ist
Auch Security-Teams profitieren deutlich von der Fortbildung. Gleichzeitig richtet sich der Kurs ausdrücklich an ein breiteres Publikum, das Verantwortung für cyber-physische Systeme trägt. Dazu zählen unter anderem:
- Systems Engineers
- Security Engineers
- Programmierer, Entwickler und Designer
- Tester und weitere Fachrollen rund um Implementierung und Validierung
Der Grund: Viele Entscheidungen, die später darüber entscheiden, ob ein System Angriffe übersteht, werden getroffen, bevor das Produkt in den Betrieb geht. Wer die Methoden von Angreifern kennt, erkennt eher riskante Annahmen, kann überraschende Angriffsketten antizipieren und Sicherheit als festen Bestandteil in Design und Tests einbauen.
Eine spezielle Vorerfahrung im Bereich Cybersecurity ist nicht zwingend erforderlich. Allerdings hilft Vertrautheit mit der Linux-Befehlszeile sowie erste Programmier-Erfahrung, damit man die Übungen optimal nutzen kann.
Wer den Kurs umsetzt und warum das relevant ist
Der CAM-Kurs wird von einem Team umgesetzt, das in verschiedenen Bereichen rund um cyber-physische Sicherheit Erfahrung gesammelt hat. Dazu gehören unter anderem Aktivitäten wie Hacking, Reverse Engineering und Penetration Testing in mission-kritischen Kontexten. Genannt werden dabei unter anderem Bereiche der Luftfahrt, der maritimen Industrie, von Waffen sowie Verteidigungssystemen.
Das Team führt außerdem cyber-physische Security-Forschung durch und hat erfolgreich an bekannten Capture-the-Flag-Events teilgenommen. Dazu zählen Wettbewerbe im Umfeld von DEF CON mit einem ICS-Umfeld sowie weitere CTF-Formate.
Ablauf, Dauer und Training in Verbindung mit der Konferenz
Die Schulung ist so getaktet, dass Teilnehmende je nach Bedarf auch an Konferenzsessions teilnehmen können. Der Kurs beginnt mit einem vollen Schulungstag am Dienstag, 6. Oktober, gefolgt von Halbtages-Sessions am Mittwoch und Donnerstag.
Damit bleibt Zeit, um Inhalte der ICS Cybersecurity Conference abzudecken, wenn gerade keine CAM-Trainingsblöcke stattfinden.
Kosten, Inhalte und enthaltene Leistungen
Die Teilnahmegebühr beträgt 3.995 US-Dollar. Inbegriffen sind unter anderem folgende Punkte:
- Der vollständige Cyber Attack Methods-Kurs
- Eine selbstständige virtuelle Maschine mit CAM-Simulation, Übungen und Lerninhalten
- Ein Zertifikat über die Teilnahme
- Zugang zu den Sessions der ICS Cybersecurity Conference
- Konferenzverpflegung, Networking-Events und soziale Programmpunkte – inklusive voller Konferenzpass
Außerdem können Teilnehmende die Kurs-VM nach dem Event behalten. Damit lässt sich das Gelernte später wiederholen und die Übungen können weiter vertieft werden.
Technische Voraussetzungen und Teilnahmebedingungen
Für die Teilnahme wird ein Intel-basiertes Laptop benötigt, das die erforderliche virtuelle Maschine ausführen kann. ARM-basierte MacBooks sind nicht unterstützt.
Der Kurs ist außerdem ausschließlich für US-Staatsbürger verfügbar. Da die Plätze begrenzt sind, empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung – besonders für Ingenieurinnen und Ingenieure, Entwickler, Tester sowie Security-Profis, die nicht bei abstrakten Beschreibungen cyber-physischer Angriffe stehen bleiben möchten.
Die ICS Cybersecurity Conference 2026 am gleichen Ort
Die 2026 ICS Cybersecurity Conference findet ebenfalls vom 6. bis 8. Oktober am W Nashville statt. Die Veranstaltung bringt unter anderem Operations- und Control Engineers, IT- und OT-Sicherheitsfachleute, Regierungsvertreter, Forschende, Anbieter sowie Betreiber kritischer Infrastrukturen zusammen.
Für Teilnehmende des CAM-Kurses ist das besonders praktisch, weil Training und Konferenzzugang in einer Anmeldung gebündelt sind. So können Sie das Gelernte direkt mit aktuellen Impulsen aus dem ICS-Umfeld abgleichen.
Fazit: Cyber-Physical Training für bessere Sicherheitsentscheidungen
Cyber-Physical Training macht Angriffe greifbar: vom Entdecken eines Systems über das Ausnutzen von Schwachstellen bis zur Umsetzung mission-orientierter Konsequenzen. Der CAM-Kurs zielt dabei nicht auf „Hacken“ ab, sondern auf ein tiefes Verständnis der Angriffslogik – damit Teams Architektur, Entwicklung und Sicherheitsmaßnahmen realistisch und wirksam ausrichten können.
Wenn Sie Verantwortung für cyber-physische Systeme tragen oder Ihre Herangehensweise an ICS-Sicherheit praxisnäher gestalten möchten, bietet die Kombination aus CAM-Hands-on und Konferenzzugang eine starke Grundlage. Aufgrund der begrenzten Plätze lohnt sich eine zeitnahe Registrierung.
