Die Black Hat USA 2026 in Las Vegas ist wieder ein Schaufenster für neue Ideen in der Cybersicherheit. Viele Unternehmen nutzen die Bühne, um Produkte, Services und Forschung vorzustellen – häufig mit Fokus auf Automatisierung, bessere Erkennung und die Absicherung neuer Angriffsflächen. Um den Überblick zu behalten, fassen wir in dieser dritten Ausgabe zentrale Anbieterankündigungen zusammen.
In den folgenden Abschnitten geht es um strategische Partnerschaften, Sicherheitsfunktionen für KI, Integrationen in bestehende Plattformen sowie neue Ansätze bei Threat Intelligence und Incident Response.
Strategische Investments und Plattform-Integrationen
Ein Beispiel für die zunehmende Verzahnung von Sicherheitsplattformen kommt von Above Security. Das Unternehmen kündigte eine strategische Beteiligung an, verbunden mit einer Integration in die CrowdStrike Falcon-Plattform. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, dass Kunden ihre Falcon-Installation erweitern können: Mit Falcon Next-Gen SIEM-Telemetrie sollen sich Insider-Risiko-Untersuchungen stärker vorkonfektionieren lassen. Außerdem werden Daten aus Endpoint-, Identitäts- und Drittanbieterquellen zusammengeführt, um daraus untersuchungsfähige Fälle zu erstellen. Abgeschlossene Untersuchungen sollen wiederum zurück in Falcon fließen.
Auch FireMon setzt auf Interoperabilität: Das Unternehmen meldete den Abschluss einer Produktintegration mit Palo Alto Networks Strata Cloud Manager. Ziel sind intelligente, gemeinsam nutzbare Lösungen, damit gemeinsame Kunden schneller innovieren und besonders komplexe Sicherheitsherausforderungen besser adressieren können.
Bei Proofpoint steht dagegen ein Ökosystem-Ansatz im Vordergrund: Das angekündigte OEM Program stellt OEM-fertige Threat-Intelligence- und Detektionsfähigkeiten für Technologieanbieter, Sicherheitsanbieter, Managed Service Provider und Plattformunternehmen bereit. Damit soll sich die Aufbauzeit für eigene Threat-Intelligence-Funktionen reduzieren – inklusive weniger Kosten und operativem Aufwand.
Neue Agenten für Risikoanalyse und Remediation
Agentische Konzepte werden in diesem Jahr besonders breit aufgegriffen. ArmorCode stellte dazu gleich mehrere neue Anya Agents vor. Die Agenten sollen Sicherheitsteams dabei unterstützen, Cloud-Risiken zu analysieren, die Ausnutzbarkeit von Schwachstellen einzuschätzen, geeignete Gegenmaßnahmen zu identifizieren und Patch-Orchestrierung zu koordinieren. Ergänzend wurden Context Risk Graph-Funktionen erweitert – etwa für die Analyse von Angriffspfaden, Netzwerk-Erreichbarkeit und Patch-Management.
Auch Trustmi brachte einen neuen AI Investigation Agent für B2B-Fraud Detection auf den Plan. Die Idee: agentische Workflows, die verdächtige Aktivitäten untersuchen, Zusammenhänge innerhalb von Geschäftsprozessen berücksichtigen und Belege über verschiedene Systeme hinweg verknüpfen. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen zwei neu entdeckte Zahlungsbetrugsbedrohungen an: Ghost Executive, bei dem betrügerische Akteure eine „Freigabe“ eines Executives simulieren, und Deadline Deception, bei dem falsche Unterlagen mit einer erfundenen Frist kombiniert werden, um Mitarbeitende unter Druck zu setzen, Zahlungen freizugeben.
Ein weiterer Schwerpunkt: VanishID kündigte AI Exploitability Management und External Identity Protection an. Beide arbeiten extern, ohne dass interne Systemzugänge oder Installationen nötig sind. Exploitability Management soll über mehr als 40 Angriffsszenarien individuelle Risiko-Scores berechnen – basierend darauf, welche relevanten Informationen öffentlich verfügbar sind. External Identity Protection ergänzt das durch mehrere Kategorien autonomer Agents (Detection, Analyst, Remediation, Residual Risk), die Datenquellen wie Data Broker, Dark-Web-Repositories und öffentliche Datensätze durchsuchen. Automatisierte Remediation Agents sollen außerdem Opt-out-Anfragen einreichen und verifizieren, um öffentliche Profile zu entfernen.
KI-Agenten und die Absicherung neuer Workloads
Mehr als nur ein Trend: Viele Anbieter fokussieren auf Sicherheitsmechanismen, die speziell für KI-Systeme, Assistenten und Agenten gedacht sind. Menlo Security erweiterte seine Menlo Agent Runtime Security-Plattform, um KI-Assistenten und Coding Agents gegen Prompt-Injection-Angriffe sowie Datenabfluss zu schützen. Das System leitet Web-Verkehr agentenseitig über eine Cloud-Umgebung, um Dateien zu bereinigen und versteckte Anweisungen vor der Übergabe an den Agenten zu entfernen. Zusätzlich kommen adaptive Data-Loss-Prevention-Ansätze zum Einsatz, um sensible Informationen zu maskieren. Für Zugriffssteuerung sorgt tokenbasierte Authentifizierung, die pro Agent eine Sitzungsidentität bereitstellt und Webzugriffsregeln gezielt durchsetzt.
Auch Rubrik setzt auf Kontrolle von Identitäten im Agentenbetrieb. Das Unternehmen erweiterte die Rubrik Agent Cloud um Rubrik Agent Identity, das Zugriffsrechte autonomer KI-Agenten zur Laufzeit verwalten soll. Im Kern steht die Vermeidung statischer Credentials: Stattdessen werden kurzlebige, zweckgebundene Token für einzelne Tool-Calls erzeugt, einschließlich der Anbindung an Identity Provider wie Okta und Microsoft Entra ID. Vor Ausführung werden Tool-Anfragen über ein Gateway geprüft. Dort findet eine semantische Verhaltensanalyse statt, zudem wird die Infrastrukturzugriffsrichtlinie verifiziert und die Sitzungsidentität authentifiziert.
Auf Plattform-Ebene kündigte Mimecast eine Erweiterung rund um Incydr an: Agent Risk Center soll alle KI-Agenten und Tools im Unternehmen entdecken und jedem Element den Menschen zuordnen, der sie bereitgestellt hat. Dazu kommt eine neu aufgelegte Managed Threat Response-Leistung (MTR) sowie die Erweiterung von Google-Workspace-Integrationen.
Threat Intelligence, Recovery und Lagebilder
Einige Ankündigungen zielen darauf ab, Threat Intelligence besser in bestehende Prozesse zu integrieren. Commvault meldete eine neue Integration: Google Threat Intelligence soll in Commvault Threat Scan-Workflows einfließen. Das kann dabei helfen, „saubere“ Wiederherstellungspunkte schneller zu identifizieren, weniger Ausfallzeit zu verursachen und die Wiederaufnahme nach Cyberangriffen zu beschleunigen. Gleichzeitig verweist Commvault auf die fortlaufende Kooperation mit Google Cloud – unter anderem über Clumio – sowie auf Unterstützung für Google-Cloud-Workloads.
Für Lagebilder und Warnsignale gibt es neue Datenpunkte von Dataminr. Das Unternehmen veröffentlichte sein 2026 Mid-Year Threat Landscape Report. Laut Bericht hat sich im ersten Halbjahr 2026 das typische Patch-Fenster um 11 Tage verlängert. Gleichzeitig sollen Angreifer in weniger als 30 Minuten ausbrechen können; Dataminr beobachtete außerdem einen sprunghaften Anstieg von Alarmen um 69,2% gegenüber der zweiten Hälfte 2025.
Im Kontext von Identitätsrisiken startete SOCRadar Human Identity Exposure. Die Lösung bildet eine neue Identity-&-Access-Schicht für das Extended Threat Intelligence (XTI)-Plattformangebot. Analysten erhalten laut Anbieter einen schnellen, umfassenden Überblick über das Identitätsrisiko einer Person. Dabei werden fragmentierte Quellen zusammengeführt – von Breach-Repositories und Stealer-Infektionen bis zu Angreifer-Telemetrie, PII, Datenlecks und CTI-Signalen – in einem entscheidungsfähigen Datensatz.
Angriffsmuster erkennen: Forschung und neue Betriebskonzepte
Auch Palo Alto Networks hat mehrere Punkte auf der Agenda. Das Unternehmen stellte eine Weiterentwicklung von PAN-OS vor, ausgerichtet auf das Zeitalter der Frontier-KI. Laut Ankündigung bringt PAN-OS 12.2 Ceres Advanced Virtual Patching für automatisiertes Blocken bei direkten Angriffen auf IP-Ebene sowie sechs AI-Sicherheitsagenten. Zusätzlich werden Hardware-Erweiterungen für die Absicherung von KI-Rechenzentren und kritischer Infrastruktur genannt.
Parallel dazu veröffentlichte Unit 42 neue Forschung: Dabei beschreibt der Bericht, wie ein von Forschern entwickeltes KI-System über 14.000 zuvor unbekannte Schwachstellen in nahezu 4.000 verbreiteten Open-Source-Projekten identifiziert haben soll. Zudem wird analysiert, dass bei mehr als 4 Millionen Berichten ein Anteil von 45,32% der Malware mit C&C-Aktivität direkt mit IP-Adressen kommunizieren soll.
Ergänzend dazu veröffentlichte Prophet Security sein zweites jährliches State of AI in Security Operations-Reporting. Die Umfrage unter 250 IT- und Cybersecurity-Professionals zeichnet ein Bild von zunehmender Belastung in Security Operations: Alert-Überflutung, KI-gestützte Angriffe und Personalmangel zwingen Teams dazu, Betriebsmodelle neu zu denken. Laut Bericht nutzen bereits 96% der Organisationen KI oder evaluieren sie für Security Operations; im Schnitt bleiben 28% der Alerts ununtersucht, und 56% berichten von einem Anstieg KI-getriebener Angriffe im vergangenen Jahr.
Agentische Datensteuerung und Suche über Systeme hinweg
Mit DataBahn kommt ein weiterer agentischer Ansatz: Das Unternehmen startete Federated Search and Orchestration. Die Erweiterung zielt auf ein „Orchestrieren während der Datenbewegung“ statt nur auf nachgelagerte Intelligenz: Unternehmen sollen eine Frage über alle eigenen Datenstores stellen können, ohne Daten zu kopieren. Anschließend wird das Ergebnis an einen KI-Agenten übergeben, der die Untersuchung fortsetzt.
Im selben Themenfeld bewegt sich auch Surf AI: Das Unternehmen kündigte eine Integration mit Claude’s Compliance API an. Dazu kommt die allgemeine Verfügbarkeit von Exposure Reduction Operations. Die Plattform soll nicht nur Identitäts-, Cloud- und SaaS-Exposures steuern, sondern auch die Konnektivität von KI-Modellen. Laut Anbieter werden Aktivitätslogs aus der Claude-Umgebung gezogen, die Verbindung und Zugriffspfade innerhalb eines Context Graph einem verantwortlichen Besitzer zugeordnet und Remediation-Schritte operationalisiert. Dazu zählt unter anderem das Deaktivieren nicht genehmigter MCP-Integrationen sowie das Unterbinden von weiterem Claude-Zugriff nach dem Offboarding.
Security-Workshops für KI und öffentliche Agent-Austausche
Ein besonders öffentlichkeitswirksamer Beitrag zur Absicherung agentischer KI kam von CrowdStrike. Das Unternehmen kündigte AI Unlocked: Agents of Chaos als globale AI-Red-Teaming-Wettbewerbsserie an. Sie wurde gemeinsam mit AWS geschaffen und fordert Teilnehmende dazu auf, „rogue“ KI-Agenten anzugreifen – unter anderem per Prompt Injection. Der virtuelle Wettbewerb startet am 31. August und verfügt über einen Preis-Pool von 100.000 US-Dollar. Ziel ist, Verteidigern praktische Erfahrung zu geben, sobald agentische KI zunehmend zur Angriffsfläche im Unternehmen wird.
Auch Tenable setzt auf Community- und Austauschmodelle. Mit CyberAgents Exchange startet das Unternehmen einen kostenlosen, Open-Source-Austausch für KI-Agenten, der speziell für Security-Teams gedacht ist. Der Ansatz soll vendor-neutral sein: Fachleute können vertrauenswürdige KI-Agenten, Skills, MCP-Server und Multi-Agent-Playbooks entdecken, teilen und weiterentwickeln. Tenable betont zudem Code-Transparenz, die zeigen soll, wer welche Komponenten gebaut hat und wie sie funktionieren. Zusätzlich kündigte Tenable Tenable One AI Exposure an, um die Abdeckung auf wesentliche KI-Plattformen sowie zentrale Entwickler-Tools auszuweiten.
Identität, Tokenisierung und Incident-Response auf Unternehmensplattformen
Die Enterprise-Ebene wird in diesem Teil ebenfalls stark adressiert. ServiceNow stellte laut Ankündigung sechs „unified solutions“ vor, die prevention-first, AI-native Cyber Defense bereitstellen sollen – verteilt über Bereiche wie Unified Exposure Management, Identity & Access Security, Cyber-physical Security, Cyber Risk & Compliance sowie agentische Incident Response. Zusätzlich wurde das neu gegründete AI Center for Cyber Defense als globaler Innovations-Hub angekündigt.
Schließlich brachte Thales mit Luna 8 ein hardwareseitiges Sicherheitselement: Es ist das erste intern entwickelte Hardware Security Module, das kryptografische Schlüssel sichern, speichern, schützen und verwalten soll – mit Blick auf quantenbezogene Bedrohungen. Das System soll eine aufrüstbare Architektur besitzen, um zukünftige kryptografische Algorithmen integrieren zu können, ohne die Rückwärtskompatibilität zu bestehenden Schnittstellen und „ancillaries“ zu verlieren. Thales nennt außerdem eine unabhängige Bewertung im Hinblick auf FIPS 140-3 Level 3 sowie EU Common Criteria.
KI und Automatisierung in der Security Ops: der nächste Schritt
Was sich durch die Ankündigungen der Black Hat USA 2026 besonders klar abzeichnet: Security-Teams wollen weniger manuelle Schleifen und mehr automatisierte Unterstützung. Ob bei Patch-Orchestrierung, Risikoanalyse, Remediation oder der Absicherung von Agenten im laufenden Betrieb – viele Anbieter setzen auf agentische Workflows, plattformübergreifende Integrationen und strengere Identitäts- bzw. Zugriffskontrollen.
Gleichzeitig zeigen Studien und Forschung, dass die Herausforderung nicht nur in der Detektion liegt. Alert-Überflutung, Arbeitslast und die wachsende Zahl neuer KI- und Agent-Workloads erhöhen den Bedarf an Lösungen, die Informationen schneller kontextualisieren und Entscheidungen besser vorbereiten.
Fazit: Teil 3 als Momentaufnahme der Anbieter-Landschaft
Die dritte Ausgabe unseres Anbieterüberblicks zur Black Hat USA 2026 macht deutlich, wie vielfältig die Richtung ist: von strategischen Plattformpartnerschaften über neue Agenten für Cloud-Risiken bis zu KI-spezifischen Sicherheitsmechanismen für Agent Runtime und Identitätskontrollen. Wer in den kommenden Monaten plant, Security-Stacks zu erweitern, findet hier zahlreiche Anknüpfungspunkte – und ein klares Signal: KI wird nicht nur angegriffen, sondern muss auch aktiv und strukturiert geschützt werden.
Quelle: https://www.securityweek.com/black-hat-usa-2026-summary-of-vendor-announcements-part-3/
