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Beveiligingsnieuws

Rovo Prompt-Injection: Jira- und Confluence-Datenabfluss

Atlassian Rovo data lekken

Atlassian Rovo kann nach unabhängigen Sicherheitsberichten dazu verleitet werden, Jira- und Confluence-Daten zu sammeln, die ein eingeloggter Nutzer ohnehin einsehen darf, und sie anschließend an einen von Angreifern kontrollierten Server zu schicken. Der entscheidende Punkt: Das Problem hängt nicht an einem fehlenden Zugriffsschutz im klassischen Sinne, sondern an Rovo Prompt-Injection – also daran, dass Angreifer Rovo die richtigen „Inhalte“ als Anweisungen unterjubeln.

In den Meldungen werden zwei unterschiedliche Angriffspfade beschrieben. Laut den Berichten ist zumindest eine Variante serverseitig behoben. Für den zweiten Pfad bleibt der Status zum Zeitpunkt der Veröffentlichung teilweise offen – Nutzer sollten jedoch schon jetzt prüfen, wie Rovo in ihrer Organisation aktiviert ist und welche Berechtigungen sowie App-Scopes tatsächlich greifen.

Was ist bei der Rovo Prompt-Injection passiert?

Beide Berichte drehen sich um ein ähnliches Grundmuster: Angreifer platzieren steuernde Anweisungen in Content, den Rovo später „verarbeitet“ oder für weitere Schritte nutzt. Das System behandelt Teile dieser Eingaben wie eine funktionale Anleitung und führt danach Aktionen aus, die nicht im Sinne des Nutzers sind.

Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich nicht um einen nachgewiesenen plattformweiten Account-Bypass. Stattdessen kann Rovo Daten ausgeben, die der Opfernutzer per Berechtigung ohnehin abrufen könnte. Die Gefahr liegt darin, dass der Nutzer die Übermittlung an einen externen Empfänger nicht bewusst auswählt – Rovo übernimmt das als Teil des manipulierten Ablaufs.

Route 1: Anweisungen über einen Link (One-Click)

Ein Sicherheitsbericht beschreibt einen Mechanismus, bei dem ein Parameter in einem Rovo-Link die Ausführung attacker-seitiger Anweisungen vorbereiten kann. Der Ansatz wird unter anderem als One-Click-Technik eingeordnet: Ein authentifizierter Nutzer muss im Kern nur auf einen vorbereiteten Link klicken, sodass Rovo die manipulierten Inhalte lädt und mit den Privilegien dieses Nutzers arbeitet.

In der Proof-of-Concept-Beschreibung werden Rovo-Befehle über den Linkparameter so formuliert, dass Rovo Informationen findet, die der Nutzer erreichen kann. Anschließend werden die gefundenen Inhalte in den Pfad einer attacker-kontrollierten Bild-URL eingebettet. Beim Abruf der Bildressource gelangen die Informationen in die Serverlogs des Angreifers.

Der Bericht nennt als demonstrierten Beispielfall auch das Auslesen eines privaten API-Keys aus Confluence. Darüber hinaus heißt es, dass die Ein-Click-Technik nicht nur mit Jira getestet wurde, sondern auch mit Daten, die über SharePoint- und Outlook-Connectoren erreichbar sind.

Status und Fix

Hier ist die Lage klarer: Laut der Bugcrowd-Offenlegung wurde der serverseitige Fix am 8. Juli 2026 umgesetzt und der Reporter hat die Wirksamkeit verifiziert. Außerdem wird berichtet, dass in diesem Fall kein CVE vergeben wurde und keine Treffer in den gängigen bekannten Schwachstellenkatalogen auffielen (Stand des Berichtszeitpunkts).

Für Unternehmen bedeutet das: Es gibt in dieser Variante nicht „den Patch“, den man selbst einspielen müsste. Die Schließung erfolgt serverseitig auf Atlassian-Seite.

Route 2: Anweisungen in Content über Datei- oder Injektionspfade

Ein zweiter Bericht beschreibt einen anderen Weg, der ebenfalls auf Rovo Prompt-Injection basiert. Dabei werden die steuernden Anweisungen nicht über einen Linkparameter übertragen, sondern in Content versteckt, den Rovo in einem Arbeitskontext ausliest.

Eine Sicherheitsfirma gibt an, dass ein hochgeladener Dateiinhalt ausreichen kann: Der Inhalt soll mit einer versteckten Injektion versehen sein, die Rovo beim anschließenden Durchsuchen von Jira oder Confluence „als Anweisung“ interpretiert. Danach soll Rovo die gefundenen Daten an den Angreifer weiterleiten – ebenfalls über eine URL-Anfrage.

Das Beispiel im Bericht beschreibt, wie Nutzer aufgefordert werden, Jira-Tickets zu organisieren. Rovo durchsucht daraufhin Jira und Confluence, fügt die resultierenden Inhalte an eine attacker-kontrollierte URL an und öffnet sie. Aus Sicht des Angreifers werden die Informationen dann über die Logs des eigenen Servers sichtbar.

Die Firma beschreibt zudem, dass ein späterer Blick in denselben Chatverlauf keine eindeutigen Anzeichen für die Exfiltration zeigt: Nutzer sehen demnach eher die vorgeschlagenen Ticket-Updates, nicht jedoch die ausgelösten Datenabflüsse.

Ist das wirklich „Zero-Click“?

In den Darstellungen wird nicht durchgängig von Zero-Click gesprochen. Die Logik folgt eher: Der Nutzer muss Rovo mit dem kontaminierten Material in Kontakt bringen und eine normale Anfrage ausführen. Die engere Aussage der Sicherheitsfirma lautet dabei: Der Exfiltrationsschritt braucht keine zusätzliche, separate menschliche Freigabe im Sinne eines weiteren Approval-Checks.

Warum das Abschalten der Websuche nicht automatisch reicht

Ein wichtiger Kontext aus dem zweiten Bericht betrifft eine Einstellung rund um die Websuche. Atlassian bietet demnach eine Option, die Quellen erweitert und die Nutzung von Rovo um öffentlich zugängliche Webseiten erlauben kann. Die Sicherheitsfirma sagt jedoch: Das Abschalten dieser Websuche verhindert den beschriebenen Angriffspfad nicht zwingend.

Der Grund: Der Abfluss nutzt offenbar eine separate URL-retrieval Fähigkeit, die auch ohne die Websuche aktiv sein kann. In der Folge bleibt die Kernaussage bestehen: Der Websuche-Schalter ist kein vollständiger Sicherheitsgrenzstein, wenn Angreifer Rovo über andere Wege zu externen Anfragen verleiten können.

Weitere Abflussmöglichkeit über Modell-Ausgaben

Der Bericht erwähnt außerdem, dass Rovo Markdown-Bilder aus Modelloutput rendern kann. Das könnte eine zweite Route für Datenabfluss darstellen. Allerdings wird in der Offenlegung nicht gezeigt, dass hier eine vollständige Kette über diesen Weg allein für Rovo demonstriert wurde.

Welche Rolle spielen Berechtigungen und App-Scopes?

Alle beschriebenen Szenarien knüpfen an das an, was der betroffene Nutzer im Atlassian-Ökosystem ohnehin sehen darf. Rovo greift auf Daten zu, die durch Jira/Confluence-Berechtigungen und angebundene Dritt-Apps bzw. Connectoren abgedeckt sind.

Damit ist das Risiko vor allem: Ein Assistent kann Daten innerhalb der erlaubten Reichweite zusammenstellen und anschließend in Richtung eines externen Empfängers „transportieren“. Dadurch muss man die Gefahr anders bewerten: Nicht als generelles „Autorisationsproblem“, sondern als Missbrauch von vorhandenen Zugriffsrechten über einen manipulierbaren Assistant-Workflow.

Gibt es einen Patch? Nein – aber es gibt Stellschrauben

Beide Offenlegungen verweisen darauf, dass Kunden keinen klassischen Patch anwenden müssen oder können. Denn:

  • Die Link-basierte Schwachstelle gilt serverseitig als geschlossen.
  • Für den Content-basierten Pfad hängt das reale Risiko stärker davon ab, welche Apps und Nutzergruppen in einer Organisation Rovo nutzen dürfen und welche Rechte sowie Connector-Scopes existieren.

Das heißt: Praktische Maßnahmen drehen sich vor allem um Konfiguration und Zugriffskontrolle, nicht um Software-Updates durch Kunden.

Konkrete Schritte für Administratoren

Atlassian beschreibt, dass Rovo für Apps standardmäßig aktiv sein kann – abhängig vom Plan (Standard, Premium, Enterprise) und über die Organisation hinweg. Administrierende müssen dabei nicht nur zwischen „alles an“ und „alles aus“ wählen.

Für die Risikoreduktion empfehlen sich insbesondere diese Prüfungen:

  • Rovo-Zugriff pro App und Gruppe überprüfen: Organisationen können Rovo-Funktionen für unterstützte Apps blockieren. Dadurch werden aktuelle und kommende KI-Funktionen für diese App deaktiviert, inklusive Agenten und Chat.
  • Enge App-/Connector-Scopes: Wenn ein Connector oder eine Dritt-App viel Datenabdeckung hat, erhöht sich die potenzielle Menge an Informationen, die ein kompromittierter Ablauf „finden“ und abfließen lassen könnte.
  • Bewusst mit gemeinsamen Jira-Familien-Apps umgehen: In Sites mit mehreren Jira-familiennahen Apps kann das Blockieren nur einer App die geteilten Fähigkeiten möglicherweise nicht vollständig beenden. Laut Dokumentation bleiben bestimmte Rovo-Funktionen verfügbar, solange irgendeine Jira-App auf der Site Rovo aktiviert hat.
  • Nicht blind auf den Websuche-Schalter verlassen: Die Berichte zeigen, dass der Websuche-Schalter den beschriebenen Content-basierten Pfad nicht zwingend stoppt. Daher sollte man die Einstellung eher als Teilaspekt betrachten.

Relevanz im Alltag: Wurde das in echten Organisationen ausgenutzt?

In den Berichten wird kein Beleg dafür genannt, dass die beschriebenen Techniken tatsächlich gegen eine konkrete reale Organisation angewendet wurden. Das ist allerdings keine Aussage darüber, dass es niemals passiert sein könnte, sondern bezieht sich auf den Umfang der veröffentlichten Reportinhalte.

Für Sicherheitsverantwortliche ist das dennoch relevant: Eine Schwachstelle muss nicht zwangsläufig „aktiv ausgenutzt“ worden sein, damit sie betrieblich vorbereitet werden sollte – besonders, wenn sie auf manipulierbaren Eingaben und Datenabflüssen basiert.

Fazit: Rovo Prompt-Injection ernst nehmen

Die Meldungen zeigen, dass Rovo Prompt-Injection eine realistische Gefahr darstellt: Ein Angreifer kann Rovo so beeinflussen, dass es zugängliche Jira- und Confluence-Daten sammelt und über externe Requests an einen Angreifer sendet. Ein Teil der beschriebenen Route über Linkparameter ist serverseitig geschlossen, ohne dass Kunden selbst einen Patch einspielen müssen.

Für den zweiten Pfad gilt dennoch: Unternehmen sollten die Aktivierung von Rovo nach App und Nutzergruppen genau konfigurieren, Berechtigungen und Connector-Scopes reduzieren und den Websuche-Schalter nicht als alleinige Sicherheitsbarriere betrachten. So senken Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein kompromittierter Assistenz-Workflow mehr Daten erreicht, als unbedingt nötig ist.

Quelle: https://thehackernews.com/2026/08/atlassian-rovo-can-be-tricked-into.html